Zukunft ohne Drogen?

Wie die Geschichte beweist, haben die Menschen schon lange zu Rauschmitteln gegriffen, und das aus den verschiedensten Gründen: Wichtig war oft die reine Lust am Rausch, der Wunsch, eine deutliche Trennung zwischen dem Alltäglichen und dem Besonderen, etwa bei Festen oder religiösen Feiern, zu setzen. Bei allen alten Kulturvölkern, so auch in der Bibel, gehörten sie etwa in der Form von Alkohol dazu.
Ein nicht minder wichtiges Motiv war die religiöse Erfahrung, die Annäherung an die Gottheit, indem man mit Hilfe von Rauschmitteln ein Außer-sich-sein erzielte. Nicht wenige Künstler haben mit ihrer Hilfe eine Bewußtseins-Erweiterung angestrebt und für ihr Schaffen benutzt.
Auf dem Gebiet der Medizin sind Drogen unverzichtbar. So ist zu verstehen, wenn Schwerkranken, bei denen keine Aussicht auf Heilung mehr besteht, unter strenger ärztlicher Aufsicht Opiate gegeben werden, um ihre Schmerzen zu lindern.
Praktisch seit Beginn der Psychiatrie wird auf diesem Gebiet mit Drogen gearbeitet. Im Rauschzustand versucht man, sonst verdeckte seelische Probleme zu erkennen und Triebstrukturen offenzulegen.
Bisher wurden diese Methoden aber nur in der experimentellen klinischen Psychiatrie oder in Selbstversuchen von Medizinern verwandt. Bis heute ist es nicht gelungen, eine psychotrope Droge zu entwickeln, die gezielt und mit vorhersehbarem Ergebnis eingesetzt werden könnte.
Versucht wird übrigens auch, abnorme Persönlichkeiten, etwa pathologischen Sexualstraftätern, mit Hilfe von Drogen zu helfen, den sexuellen Antrieb herabzusetzen und ihnen damit einen lebenslangen Aufenthalt in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt zu ersparen.
Bedenklich dagegen ist der Versuch vieler Menschen, mit Hilfe von Drogen aus der Realität zu fliehen oder sie doch erträglicher zu gestalten, wie es neben den Abhängigen von "harten" Drogen auch bei Alkohol- und Tablettensüchtigen zu beobachten ist.
Nicht wenige der Experten, die sich mit Drogenfahndung oder der Verhütung von Suchtgefahren beschäftigen, sind sehr skeptisch, ob eine Zukunft ohne Drogen überhaupt möglich ist. Der Lustgewinn durch die Einnahme von berauschenden Stoffen scheint zum menschlichen Leben zu gehören und in einem gesellschaftlich akzeptablen Maße auch positive Seiten zu haben. Gefährlich werden Drogen wohl nur Menschen, die mit ihren Problemen nicht fertig werden und dem Reiz erliegen, mit ihrer Hilfe "auszusteigen". Schwer abzuschätzen ist, welche Drogen in Zukunft eine Rolle spielen werden.