NACHTSCHATTENDROGEN

Die Nachtschattendrogen sind hauptsächlich aus historischer Sicht interessant, weil sie zeigen, welche pharmakologischen Kenntnisse über Jahrhunderte von Medizinmännern, Priestern und Hexen weitergegeben wurden. In der heutigen Pharmakologie spielen einige der Alkaloide in den Nachtschattendrogen eine große Rolle. Es handelt sich dabei jedoch in der Regel um synthetisierte und deshalb relativ genau dosierbare Stoffe. Zu den Nachtschattenpflanzen gehören Kartoffeln und Tomaten genauso wie der Goldregen, der Stechapfel oder die Tollkirsche. Die Hauptgruppe der Nachtschattengewächse, die als Rauschdrogen verwandt wurden, sind die Solanazeen-Drogen. Ihre wichtigsten Alkaloide sind das Atropin und das Skopolamin.
Atropin ist äußerst kreislaufaktiv. Das Skopolamin wirkt beruhigend und wird auch heute noch in Kombination mit Morphium zur Beruhigung von Geisteskranken verwandt, weil es sehr schnell wirkt. Im südamerikanischen Raum wurden Toloache und Tonga als Rauschmittel verwandt. Auch sie bestehen aus einer Atropin-Skopolamin-Kombination. Mit Ausnahme des Nikotins, ebenfalls ein Alkaloid, spielen die Nachtschattengewächse als Rauschmittel im 20. Jahrhundert keine Rolle mehr. Ungeklärt ist, warum nur ein Teil dieser Pflanzen Alkaloide enthalten und manche auch alkaloidfrei vorkommen können.