Pegeltrinker und Quartalssäufer
Während der regelmässige Genuß geringer Alkoholmengen auch nach längerer Zeit nicht zu nachweisbaren Schäden führt, ist die Alkoholsucht eine echte Krankheit. Ein großes Problem liegt darin, daß die Grenzen zwischen sozialem Trinken und beginnendem Alkoholismus fließend sind und von den Betroffenen sorgsam verschwiegen werden. Der Alkoholiker erkennt seine Krankheit zumeist nicht. Oft wird er erst dann krankheitseinsichtig, wenn er sich und seine Familie stark geschädigt hat. Der ungarische Psychiater Jellinek hat im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation den Schweregrad des Alkoholismus in fünf Gruppen aufgeteilt:
Der Alpha-Trinker trinkt bei passender Gelegenheit viel, weil er sich im Rausch wohlfühlt. Er kann aber jederzeit mit dem Trinken aufhören, wenn er will.
Der Beta-Trinker trinkt häufig und regelmäßig. Auch er kann noch jederzeit aufhören, bekommt jedoch wegen des hohen Alkoholkonsums organische Schäden wie Leberzirrhose oder Herzverfettung.
Beide Gruppen leben in der Gefahr, in die folgende Gruppe abzurutschen.
Beim Gamma-Trinker paßt sich der Stoffwechsel des Körpers dem Alkoholkonsum an. Falls er keinen Alkohol mehr zu sich nimmt, bekommt er Entzugserscheinungen. Auf der anderen Seite verliert er schon nach kleinsten Alkoholmengen die Kontrolle über sein weiteres Trinken.
Der Delta-Trinker muß schließlich permanent einen gewissen Alkoholpegel im Blut halten, um Entzugserscheinungen vorzubeugen. Er denkt nur noch daran, wie er sich Alkohol beschaffen kann.
Der Epsilon-Trinker ist ein eigener Typ. Umgangssprachlich nennt man ihn einen "Quartalssäufer". In periodischen Abständen von etwa einem Monat oder einem Vierteljahr trinkt er ausschweifend oft mehrere Tage lang, bis er kein Geld mehr hat oder besinnungslos wird. Anschließend ist er wieder "trocken". Die Abstände zwischen den einzelnen Trinkphasen werden allerdings im Laufe der Zeit immer kürzer.
Saint-Exupery läßt den kleinen Prinzen im gleichnamigen Buch den Trinker fragen, warum er trinkt. Der Alkoholiker antwortet: "Weil ich mich schäme." "Und warum schämst Du Dich?" "Weil ich trinke." Der französische Autor hat hier auf kurze und prägnante Weise den Teufelskreis der Sucht beschrieben.