Gesellschaftlich toleriert
Werden Drogenhandel und Drogensucht von der Allgemeinheit auch hart verurteilt, so ist kaum jemandem bewußt, daß Drogen und ihr Gebrauch so alt sind wie die Menschheit. Gerne wird verdrängt, daß im alltäglichen Leben Rauschmittel selbst in unserer Kultur eine kaum noch wegzudenkende Rolle spielen. Kaffee, Tee, Zigaretten und ganz besonders alkoholische Getränke sind eindeutig ebenfalls Drogen, wobei Alkohol erheblich größere Schäden in Familie und Gesellschaft anrichtet als die Öffentlichkeit wahrhaben will. Bekannt ist, daß auch bestimmte Tabletten und Pillen zur Sucht führen können.
Der übermäßige Genuß all dieser Rauschmittel ist genauso gesundheitsschädlich wie die "klassischen" Drogen und kann ebenfalls zum Tode führen. Nur werden sie im Gegensatz zu den "harten Drogen" gesellschaftlich toleriert.
Bemerkenswert ist dabei: Was in unserem Kulturraum als strafbar gilt, wie beispielsweise der Konsum von Opiaten, ist in anderen Ländern völlig legal. In mohammedanischen Ländern ist Alkohol religiös und gesellschaftlich verboten. Ein "Haschischesser" wird zwar verachtet, wenn er sich nur seinen Rauschträumen hingibt. Bestraft werden jedoch weder er noch sein Händler.
Nicht vergessen werden darf, daß Rauschgifte wie alle Gifte in der richtigen Dosierung als Heilmittel auch eine wohltätige Wirkung haben. In der Medizin, aber auch in den religiösen Praktiken vieler versunkener oder noch lebendiger Kulturen haben Rauschgifte immer eine hervorragende Rolle gespielt. Die Kenntnisse, wie man diese gefährlichen Stoffe dosiert, ohne zu töten, mußten sich Priester, weise Frauen, ab dem Mittelalter aber auch Ärzte und Apotheker in langer Lehrzeit aneignen. Man mußte den Umgang mit ihnen beherrschen, um nicht selbst von ihnen entmündigt und beherrscht zu werden.