Kurzvorstellung: Lüneburger Drogenselbsthilfe

Wer wir sind, was wir tun

Lüdros ist eine Selbsthilfe und Interessenvertretung drogengebrauchender Menschen im Lüneburger Raum. Kernpunkt unserer Arbeit ist die Überlegung, daß auch Drogengebraucher/Innen ein Recht auf menschenwürdige gesundheitliche, soziale und rechtliche Lebensbedingungen haben und dieses nicht erst durch abstinentes und/oder angepaßtes Verhalten erwerben müssen. In diesem Sinne steht unsere Arbeit unter folgendem Motto: Menschenwürdig leben - auch mit Drogen!

Wir sind Mitgied im bundesweiten Selbsthilfenetzwerk JES (Junkies, Ehemalige. Substituierte) und versuchen regional und überregional auf die Situation der Drogenkonsument/Innen aufmerksam zu machen.

Die wichtigsten Fernziele unserer Arbeit heissen dabei:

l. Verbesserung der gesundheitlichen, sozialen und rechtlichen Lebensbedingungen drogengebrauchender Menschen.

2. Gleichstellung mit legalen Formen des Konsums bzw. der Abhängigkeit und Freigabe "weicher" sowie kontrollierte Vergabe "harter" Drogen (Entkriminalisierung).

3. Teilnahme an der drogenpolitischen Diskussion, einbringen von Betroffenenkompetenz sowie Öffentichkeits und Lobbyarbeit von Betroffenen für Betroffene.

Wie wir unsere Ziele vorantreiben

Zur Zeit bieten wir wöchentlich ein offizielles Treffen der aktiven Mitarbeiter/Innen an. Unsere derzeitigen Schwerpunkte verteilen sich dabei wie folgt:

Prävention und Weiterbildung: Wir erstellen hier selbstständig Seminare zum Thema Safer Use, HIV/Aids. Drogennotfälle und Möglichkeiten der Selbstorganisation für User/Innen und vermitteln unsere Kenntnisse auf der Szene, als auch bei Berufhelfern und Angehörigen. Wir bieten im Rahmen der bundesweit angebotenen JES Veranstaltungen Drogengebraucher/Innen die Möglichkeit, sich zu bestimmten Themen weiter zu bilden (z.B. Substitution etc.).

Zeitungsprojekt: Die Kick-Post dient uns als Medium und Sprachrohr, mit dem wir erstmals unsere Bedürfnisse und Interessen öffentlich ausdrücken und zu einer allgemeinen Diskussion im Lüneburger Raum anregen wollen.

Öffentlichkeit und Kulturarbeit: Wir zeigen, daß Drogengebraucher/Innen sehr wohl in der Lage sind, ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen. Wir wollen damit auf eine Versachlichung und Enthysterisierung der drogenpolitischen Diskussion, sowie auf eine Änderung des Negativ-Bildes von Fixer/Innen im öffentlichen Meinungsbild hinwirken.
Da Drogengebrauch und Kultur für uns keinen Widerspruch darstellt und wir uns nicht als 'graue Plasmaklumpen" verstehen, betonen wir in unserer Arbeit immer auch den kulturellen Aspekt. So nutzen wir Öffentlichkeitsveranstaltungen und unsere Kick-Post auch für den Ausdruck kulturellen Wirkens vor dem Hintergrund unserer Lebenserfahrungen. Das Einstudieren von kleinen Theaterstücken, das Entwerfen und Produzieren von Plakaten, das Schreiben von Gedichten, Geschichten und vieles mehr bieten uns dazu reichlich Gelegenheit.
Darüberhinaus kommt es im Rahmen der offiziellen Treffen immer auch zu weiteren inoffiziellen Arbeits- und Freizeitaktivitäten, in deren Verlauf sich Leute besser kennenlernen und sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl, in einer von Vereinzelung besonders bedrohten Lebenswert, entwickelt.

Kontakt, Infos, Freizeit: Über den Aufbau einer Telefonkette sind unsere Mitarbeiter/Innen in Krisensituationen fest immer ansprechbar. Ein recht dichtes Netz an Szene-Kontakten ermöglcht uns einen unkomplizierten Zugang zu anderen Drogengebraucherinnen. In dem uns möglichen Rahmen geben wir Tips, Hinweise und allgemeine Beratung in unterschiedlichsten Bereichen (zB. Ämtergange, Ärzte, Substitution etc). Geplant sind auch eine Klön-Gruppe und unregelmässige Freizeitaktivitäten (z.B. Fahrradtouren, Ausflüge etc).

Wer bei uns mitarbeitet

Wir arbeiten sowohl mit aktiven Jinkies, Substituierten als auch mit Ehemaligen. Einen Abstinenzanspruch erheben wir nicht. Drogengebrauch und - Abhängigkeit werden von uns als eine von vielen möglichen Formen der Lebensbewältigung verstanden. Als Kriterium gilt für uns einzig und alein das Mass der Kontinuität und Fähigkeit zur Zusammenarbeit der Mitarbeiter/Innen, nicht aber der Grad ihres Drogengebrauches oder Nicht-Gebrauches.
Wir wenden uns an Menschen, die von anderen Hilfseinrichtungen bisher kaum erreicht wurden oder von diesen enttäuscht sind. Da wir keinen "Behandlungserfolg" im Sinne von Abstinenz nachweisen müssen und wir keinen "erzieherischen Auftrag" haben, genießen wir ein Vertrauen in Szene-Kreisen, auf das sich profesionelle Einrichtungen meist nicht stützen können.