2. Kapitel

Ein weiteres Beispiel: Die Pflanze Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) enthält den Wirkstoff Digitoxin, aus dem eine Reihe von herzstützenden und kräftigenden Medikamenten produziert wird. Die Wirkungsbreite als Medikament ist ebenfalls hier ganz eng. Die therapeutische Dosis für die Herzschwäche muß genau auf den einzelnen Patienten berechnet werden, sonst wirkt Digitalis tödlich.

Das Alkaloid Colchizin der Blume Herbstzeitlose ist das ideale Mittel gegen den akuten Gichtanfall. Es hilft nur in einer sehr kleinen Dosis. Ab 20 mg lahmt Colchizin bei einem Erwachsenen die Atmung und führt zu Herzversagen.

Wenn Haschisch in engen Grenzen durchaus als Heilmittel Verwendung finden könnte, so bleibt es doch ein gefährliches Rauschmittel. Wie groß die gesundheitliche Beeinträchtigung tatsächlich ist, wird sich wahrscheinlich erst in Zukunft herausstellen. Zur Zeit ist bekannt, daß es sich bei Cannabis um eine psychoaktive Substanz handelt, die auf das Gehirn einwirkt und psychische und neurologische Funktionsabläufe beeinflußt, oder verändert.

Generell kommt es nach dem Genuß von Cannabisprodukten zu einem entspannten, jedoch mehr apathischen Zustand mit euphorischer Ausrichtung. In der Regel tritt ein Gefühl wohliger Gleichgültigkeit ein. Die Denkabläufe verändern sich, und bei verschiedenen Kiffern kommt es zu Gedächtnis- und Erinnerungsstörungen. Allgemein sind Leistungsminderungen nach Haschischgenuss nicht selten und machen sich vor allem im kognitiven Bereich bemerkbar, zeigen also Defizite beim Erkennen und Wahrnehmen. Wer gelegentlich Cannabisprodukte zu sich nimmt, wird vielleicht vorübergehend an Konzentrationsmängeln, Herabsetzung der Kritikfähigkeit, Denkstörungen und ähnlichen Erscheinungen leiden, die sich bald geben. Wer aber regelmäßig Haschisch oder Marihuana raucht, bei dem können die intellektuellen Leistungseinbußen chronisch werden. An die Gefahr des amotivationalen Syndroms sei erinnert, vor dem auch das Bundesverfassungsgericht in einer Entscheidung warnte.

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