Die Geschichte einer wundersamen Pflanze

Es begann vor Tausenden von Jahren, als die Chinesen einen Schatz entdeckten - nicht Gold, nicht Edelstein, eine einfache Pflanze war es, die ihnen half, ihr Leben zu verfeinern. Sie mass die Länge eines kleinen Baumes, zwei bis drei Meter hoch und manchmal sogar bis zu fünf Meter. An ihren langen Stengeln sassen Blätter, die einer Hand mit vielen Fingern glichen. Ihre Früchte trugen Samen, die köstlich schmeckten, und ihre Stengel waren gefüllt mit Fasern, fein, doch unverwüstlich.

Man fand die Pflanze auf jedem möglichen Boden, am liebsten war ihr tiefer Grund und reichlich Wasser. Ihre Samen dienten bald als Nahrungsmittel, ihre Blätter heilten Schmerzen, und die Fasern ihrer Stengel liessen sich zu einem Stoff verarbeiten, der den Körper vor Wind und Nässe schützte. Die Chinesen nannten sie "Ma". Von China aus begann vermutlich ihre Reise um die Welt. Überall wo sich Menschen trafen, entstand ein Austausch an Erfahrungen, und manch gute Idee verbreitete sich schnell. Als "Ganja" lernten sie die Inder kennen, "Kannabis" nannten sie die Griechen, "Hanf" wurde ihr Name in Deutschland.

Wir finden sie auf ihrer Reise bei keltischen Fürsten, hören von ihrer Verwendung bei den Wikingern, den Thrakern und entdecken im Grab der Merowinger-Königin Adelgunde ein Kleid, fein und raffiniert verarbeitet aus Hanf. Und wir wagen zu behaupten, es war ihr Lieblingskleid, von dem sie sich nicht trennen wollte - ein Kleid für die Ewigkeit.

Mit Christoph Columbus überquerte die Pflanze den Atlantik, als Kleidungsstück und auch als Segeltuch, denn der Stoff bestach schon früh durch seine guten Eigenschaften: am Körper leicht und luftig, widerstandsfähig gegen Nässe und kaum zu zerreissen. "Hemp" nannten die Amerikaner diese Pflanze und schneiderten die Flagge ihres Landes aus diesem Stoff. Und Levi Strauss stellte die erste Jeans aus Hanf her.

Diese Pflanze hatte den Erdball für sich gewonnen, sie wurde gepflanzt, genutzt und geschätzt. Doch sie wurde verdrängt, verboten und vergessen. Verdrängt von Baumwolle und Chemiefasern, verboten als rauscherzeugendes Mittel. Vergessen blieb sie, bis sich eines Tages ein Amerikaner auf die Reise begab, die Geschichte dieser Pflanze zu erzählen (Jack Herer, "Hanf", ISBN 3-86150-026-4).

Das war Ende der 80er Jahre, zu einer Zeit, als die Welt immer deutlicher erkennen lernte, dass unsere Erde schutzbedürftig ist wie wir selber. Die überaus naturfreundliche Anbauweise der Pflanze, die schnell wächst und daher bedenkenlos abgeholzt werden kann, die Unkraut allein durch ihren Wuchs unterdrückt und daher keine Herbizide benötigt, überzeugt schnell, und erste Idealisten setzten sich ans Werk, den Stoff mit neuester Technik und ohne rauscherzeugendes THC wiederzubeleben.