Textilien

Wussten Sie, dass Levi Strauss, der aus Bayern stammte und nach Amerika auswanderte, Mitte des vorigen Jahrhunderts seine erste Jeans aus Hanftuch zusammennietete? Die Hose musste den starken Beanspruchungen der kalifornischen Goldwäscher standhalten, die oft den ganzen Tag knietief im Wasser standen. Nur Cannabisfasern konnten auf Dauer soviel Feuchtigkeit aufnehmen ohne sich aufzulösen. Damit die Nähte stabil blieben, wurden sie zusätzlich mit Metallnieten verstärkt. Dass die Arbeitshose des Levi Strauss unter dem Namen "Jeans" in die Geschichte eingegangen ist, verdankt sie der Herkunft des Gewebes aus Genua! Norditalien war damals weltberühmt für seine Hanfstoffe. Leider brannte 1906 beim grossen Erdbeben von San Francisco ein Grossteil der Stadt und damit auch die Zentrale der Frima von Levi Strauss ab. In dieser Zeit war der technische Fortschritt zur Verarbeitung und Spinnen von Baumwolle schon sehr billig geworden und verdrängte Hanf und Flachs. Trotzdem blieb Hanf bis in die 30er Jahre aufgrund seiner Reissfestigkeit, Weichheit, Wärme und Haltbarkeit die am zweithäufigste verwendete Naturfaser.

1937 wurden als Folge des Marihuanasteuergesetzes die natürlichen Hanffasern durch die neuen Du Pont-Kunststoffasern verdrängt. Diese wurden in Lizenz der deutschen Firma l.G. Farben produziert. 1938 erfand Du Pont die Nylonfaser und brachte sie patentiert auf den Markt.

Wir finden, das Kleidungsstück aus Hanf bringt Abwechslung in Ihre Garderobe und nicht zu vergessen: Sie leisten damit nicht nur einen Beitrag an die Umwelt. Sie schützen sich selber auch vor der schädlichen UV-Strahlung. Nach einem Prüfbericht der Wissenschaftlichen Akademie Chinas hält normale Hanfkleidung 95% der UV-Strahlung ab (Planen sogar 100%), wogegen andere Textilien nur zwischen 30-60% absorbieren. Natürlich spielt die Färbung und die Webart des Stoffes ebenfalls eine grosse Rolle. Zu beachten ist, dass dünne T-Shirts aus Hanf nicht ganz 95% der UV-Strahlen abhalten.

Ausserdem verfügt Hanf über eine hervorragende Hitzebeständigkeit. Selbst bei 370°C erfolgt keine Farbveränderung, bei Erwärmung auf 1'000°C verkohlt das Material, entflammt aber nicht. Diese Eigenschaft macht sich die Fluggesellschaft CrossAir zunutze und testet Hanf für Isolations- und Abdeckmaterial im Flugzeugbau.

Die Faser ist antistatisch und zieht deshalb Schmutz nicht an. Aufgrund ihres Sauerstoffgehaltes lassen Hanffasern die Bildung anaerober Bakterien nicht zu, durch fehlendes Eiweiss sind sie von Natur aus absolut mottensicher. Wegen der einzigartigen "Frischewirkung'" wurden früher die Lebensmittel in Hanftücher eingewickelt, so blieben sie doppelt so lange haltbar.

Cannabis liefert die reissfesteste natürliche Faser, unvergleichlich angenehm und weich auf der Haut, aber gleichzeitig haltbar und hart gegenüber äusseren Beanspruchungen. Insofern verbindet Hanf den Tragkomfort feiner Leinenstoffe aus Flachs mit der Robustheit grober technischer Fasern wie Sisal. Diese Kombination aus Hautfreundlichkeit und Haltbarkeit macht Hanf einzigartig unter den Textilrohstoffen. Allergiker werden Hanfkleider speziell schätzen.

Führend in der maschinellen Verarbeitung sind heute China, Polen, Rumänien und Ungarn. Thailand, Nepal, Indien und Laos sind Lieferanten für handgewobene Stoffe.