Landwirtschaft
Hanf wächst am besten in gemässigtem Klima (13 - 22°C), verträgt aber auch höhere und niedrigere Temperaturen. Junge Pflanzen vertragen sogar leichten Nachtfrost mit Temperaturen von -3 bis 5°C. Hanf stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden und gedeiht an fast allen Standorten. Er ist als Pionierpflanze und auf Grenzertragsböden nutzbar.
Hanf zeichnet sich durch sehr gute Selbstverträglichkeit aus, er kann also mehrmals hintereinander an derselben Stelle angebaut werden. Dagegen ist z. B. Lein selbstunverträglich, er sollte nur alle 5 bis 7 Jahre an derselben Stelle angebaut werden. Auch Baumwolle ist selbstunverträglich, und um eine einigermassen erfolgreiche Ernte zu erzielen, braucht es erhebliche Mengen von Pestiziden. Weltweit werden über die Hälfte aller Pestizide beim Einsatz auf Baumwollfeldern verspritzt.
Der Hanf wächst hoch auf (innerhalb von 100 Tagen ca. 4 m) und hat oben eine geschlossene Blätterdecke. Durch diese Wuchsweise entsteht ein feuchtes Klima. Dies wirkt sich positiv auf die Bodenflora aus. Der Boden trocknet nicht aus, das Milieu in und auf dem Boden ist stabil. Durch seine tiefgehenden und feinverzweigten Wurzeln verbessert der Hanf die Bodenstruktur.
Unter normalen Umständen hat Hanf nach der Saat keine Pflege mehr nötig. Das Unkraut hat in diesem dichten Gewächs keine Chance, es wird erstickt. Damit ist Hanf erheblich unproblematischer als Raps oder Lein. Raps ist im Jugendstadium durch Unkräuter besonders gefährdet. Lein benötigt eine Herbizidbehandlung, um einem Unkrautdurchwuchs entgegenzuwirken. Vergleichende Untersuchungen zeigten, dass der Hanf von allen Faserpflanzen den geringsten Arbeitsaufwand pro Hektar und Jahr erfordert. Der Aufwand bei Baumwolle und Flachs ist etwa doppelt so hoch wie beim Hanf.
Ernteertrag pro ha:
Feuchtgewicht gesamt
Grünes Stroh (trocken)
Stroh nach Tauröste
Fasern
Schaben
Blattspreu, Samen, Staub50-60 Tonnen
9600 kg
7680 kg
2370 kg
3920 kg
860 kg
Naturhanf ist also sehr robust, braucht wenig Dünger, dafür viel Wasser und hat fast keine Schädlinge. Dagegen gehen bei der Baumwolle trotz Pflanzenschutzmittel etwa 50% der Ernte durch Schädlinge verloren. Hanf dagegen braucht keine Pflanzenschutzmittel und zeichnet sich durch die hohen Ernteerträge aus. Ebenfalls von grossem Nutzen für die Landwirtschaft ist, dass man Hanf sehr vielseitig verwenden kann (siehe Verwertungsdiagramm). Im Folgenden stellen wir einige Gebiete vor, in denen Hanf zu Produkten des täglichen Gebrauchs verarbeitet wird.