Europa/Schweiz

Im Mittelalter, 800 bis 1200, war Hanf die wichtigste Nutzpflanze Englands. Es gab kein erhabenes Segelschiff, das nicht mit Hanfsegel, Hanftauen und Hanfdichtungen ausgestattet war. Und um 1250 war die Nachfrage der Schiffsbauer so gross, dass auf Island Hanffelder bestellt wurden.

Charakteristisch für die Hanfkultur im Binnenland Schweiz war die dezentrale, einzelbetriebliche Anbauweise, die sich im Bündnerland an einigen Orten bis in unser Jahrzehnt erhalten konnte. Die unkoordinierte Anbauweise verunmöglichte aber eine zielgerichtete Hanfzucht, so dass die Hanffaserproduktion qualitativ zu keiner Zeit international konkurrenzfähig war. Die einheimischen Faserprodukte erreichten den ausländischen Standard nie, dagegen wurde Hanf als Hausmedizin und Genussmittel besonders geschätzt. Der Tabak konnte Hanf in der bäuerlichen Gesellschaft nie ganz verdrängen. Zu Gotthelfs Zeiten hiessen im Emmental Tabak-Hanf-Mischungen "Sonntags-Pfeiffen", wobei offen bleibt, ob Hanf oder Tabak das Besondere war.

Die medizinische Verwendung von Hanf konnte sich in der Schweiz länger halten als im übrigen Europa, an einigen Orten bis in unsere Tage. In Schröters "Schatzkästlein der Pflanzenheilkunde" (Basel 1911) können wir nachlesen, wofür Hanf in der Medizin unter anderem eingesetzt wurde: "Man verwendet den öligen Samen, nachdem man ihn zerstossen und mit Wasser zu Tee gekocht hat, gegen Harnleiden und schmerzhaftes Harnen. In Milch gekocht leistet er ganz vorzügliche Dienste bei Husten. Hanfkompressen legt man auch auf Geschwülste und wendet die Auflage auch bei entzündeten Augen an, desgleichen auch bei Gicht und Rheumatismus. Die zerstossene Hanfwurzel heilt Brandwunden und Verbrühungen, indem man sie auf die Wunden bindet."