Baustoffe und Industrie
In ihrer langen Geschichte hat die Hanfpflanze als Baustoff eine hervorragende Rolle gespielt. Ihre hohe Stabilität und Reissfestigkeit, ihr souveräner Umgang mit Feuchtigkeit und Nässe stehen bei der Verarbeitung zu Baumaterial im Vordergrund. Schon in archaischen Lehmbauten wurden Hanfstengel genutzt, und Hanfwerg, die Kurzfasern der Pflanze, dient bis in unsere Tage als Isolations- und Abdichtmaterial.
Etwas Besonderes und Neues hat die französische Firma Chenevotte Habitat entwickelt, die in Frankreich und Belgien bereits ca. 300 Häuser überwiegend mit Baustoffen aus Hanfschäben gebaut hat. Die Firma vertreibt Hanfschäben unter dem Namen "Isochanvre" (Isohanf), die als Bau- oder Isolationsmaterial verwendet werden können. Inzwischen sind auch Firmen in der Schweiz und Deutschland darum bemüht, Isohanf einzusetzen.
Die Hanfschäben werden in einem nicht näher erläuterten Prozess mit einer mineralisierten Matrix umgeben. Das fertige Produkt besitzt laut Hersteller folgende Eigenschaften: gute Wärmedämmung, hohe Wärmespeicherkapazität, hervorragende Schallisolierung, Dampfdiffusionsoffenheit, Feuerfestigkeit, natürliche Fungizität, ungeniessbar für Nager, Termiten, Insekten, entwässernd, wasserabweisend, geringes Gewicht, und zudem verrottet es nicht. Als Baumaterial wird Isohanf mit hydraulischem Kalk und Zement ohne Zusatzstoffe gemischt und eingesetzt für Böden. Decken und Verputz. Als Isolationsmaterial wird unvermischter Isohanf eingesetzt, der in die Verkleidungen geschüttet wird. Er eignet sich für Böden, Innen- und Dachstuhlisolationen.
Die vernadelten Filze können im Bau zur Schalldämmung in Böden und Wänden eingesetzt werden, für Polsterzwecke oder auch im lose vernadelten Zustand als Geotextilien im Aussenbereich.