Alkohol Mal ganz ehrlich: Wer von Euch hat noch nicht versucht, seinen Turkey mit Alkohol oder Pillen erträglicher zu machen? Und: Wieviele Leute aus Eurem Bekanntenkreis wollen dem »Methadonalltag« mit Alkohol etwas mehr abgewinnen? Der Konsum von Alkohol bei DrogengebraucherInnen, vor allem Substituierten, hat nach unseren Beobachtungen in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Wir erinnern uns, dass vor einigen Jahren regelmäßiger oder starker Alkoholkonsum ein extrem schlechtes Image in der Szene hatte. Heute gehört die Bierbüchse in der Hand bei vielen Substituierten einfach dazu.
Jeder von Euch weiß, wie schädlich Alkohol für den Organismus ist. Nur glaubt keiner so recht daran. Die Liste der körperlichen Schädigungen ist lang. Erwähnt seien hier nur das Absterben von Gehirnzellen, die Förderung von Krebs, die Gefahr der Schädigung von Herz, Bauchspeicheldrüse und Leber und des Ungeborenen bei Schwangerschaft. Wenn Du schwanger bist oder unter einer chronischen Hepatitis leidest, solltest Du auf Alkohol ganz verzichten!
Leider ist das Zusammenwirken von Alkohol bei gleichzeitiger Einnahme von Methadon, anderen Opioiden, Kokain und Pillen sehr schwer einzuschätzen. Alkohol spielt bei den meisten Drogennot- und Todesfällen eine herausragende Rolle! Da sowohl Alkohol als auch Methadon und andere Opioide als Substanzen die Atmung hemmen - bis hin zum Atemstiilstand und Erstickungstod - ist besonders dieser Mischkonsum extrem gefährlich. Du kennst sicher die Wirkungen, die Alkohol, in kleinen Mengen genossen, hat: Alkohol kann zum Wohlbefinden beitragen, körperliche Entspannung bringen und die Kontaktfähigkeit steigern (ein häufiger Grund für den Alkoholkonsum!). Trinkst Du etwas mehr Alkohol (wobei die Menge von Person zu Person unterschiedlich ist), kann dies zur Enthemmung, Reizbarkeit und Verminderung der Sinnesleistungen (z. B. Reaktionsvermögen im Straßenverkehr) führen. Zur offenen Aggressivität und Selbstüberschätzung kann es bei Überdosierungen von Alkohol kommen. Ab drei Promille kann Alkoholgenuss mit einer Alkoholvergiftung tödlich enden.
Alkoholmissbrauch entwickelt sich oft zunächst kaum merklich und schleichend. Weil Alkohol legal, gesellschaftlich toleriert, billig und überall und jederzeit erhältlich ist, wird die Missbrauchsgefahr beim Alkohol unterschätzt. Wenn aber die Droge Alkohol nicht mehr aus dem Leben wegzudenken ist (Abhängigkeit), sieht sich der Betroffene mit denselben Problemen konfrontiert, die ihm/ihr aus der illegalen Drogenabhängigkeit bekannt sind (Beschaffungsdruck, Entzugserscheinungen, Geldprobleme). Außerdem ist fortgesetzter Alkoholmissbrauch ein Grund, eine Substitutionsbehandlung zu beenden.
Wenn Du glaubst, dass Deine Dosis Methadon Dir nicht ausreicht, solltest Du mit Deinem Arzt sprechen. Das ist in jedem Fall besser, als Alkohol zu trinken oder wieder harte Drogen zu nehmen, Alkohol unterscheidet sich vom Suchtpotential nicht vom Methadon. Das Problem ist also, dass nach einer Weile Dein Körper den Alkohol brauchen wird, d. h. man/frau muss dann weitertrinken. Also hab immer ein Auge auf Deinen Alkoholkonsum, besonders während oder nach dem »Ausschleichen«!
Thematisiere das auch in Deiner Umgebung: Was heißt z. B. für Dich "in Maßen trinken"? Insbesondere Rückfälle in den Konsum harter Drogen, jedoch auch Tablettenmissbrauch und häufiges Alkoholtrinken bringen erfahrungsgemäß nichts als Verdruss. Neben anderen Problemen kommt es über kurz oder lang zum Ausschluss aus der Substitutionsbehandlung, und dann stehst Du wieder da wie vorher.
Bei Fragen und Problemen im Umgang mit Alkohol solltest Du Dir Hilfe von Deiner PSB oder einer Drogenberatungsstelle holen. (Anm. des webmaster: folgendes gilt nur für Berlin) Außerdem haben die Beratungsstellen BOA Zwinglistr. 3a (Tel. 391 051 75) und Große Hamburger 18 (Tel, 280 51 12) besonders viel Erfahrung mit Alkoholproblemen in der Substitution. Einige Krankenhäuser kennen sich mittlerweile ganz gut in der Alkoholentzugs-Behandlung von Substituierten aus, z. B. das Krankenhaus Am Urban, das Jüdische Krankenhaus und die regional zuständigen Häuser Krankenhaus Neukölln (für Neukölln), Krankenhaus Spandau (für Spandau, Charlottenburg, Wilmersdorf), Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (für Lichtenberg und Friedrichshain) und das St. Joseph-Krankenhaus (für Weissensee, Hohenschönhausen und Prenzlauer Berg).