Ich komme an mein Kind nicht mehr ran. Teil II

Können Eltern erkennen, ob ihre Kinder bereits abhängig sind?

Eine vorhandene Abhängigkeit läßt sich oft längere Zeit in den Alltag integrieren, ohne daß es Außenstehenden auffällt. Ob eine Abhängigkeit "augenfällig" ist, hängt also auch von der Art und Menge des konsumierten Suchtmittels ab.

Bei Alkoholabhängigkeit heißt das z. B., daß die meisten Betroffenen erst als Erwachsene auffällig werden und erst dann in einer Beratungsstelle oder Statistik auftauchen. Die Abhängigkeit und die ersten Schritte in den Alkoholmißbrauch haben jedoch oft schon mit 16 (oder früher), 17, 18 Jahren begonnen.

Harte Drogen wie Heroin stehen nicht zuletzt deshalb so sehr im Mittelpunkt des Interesses, weil hier die körperlichen und sozialen Folgen schneller und offensichtlicher in Erscheinung treten. So ist ein regelmäßiger Medikamentenkonsum schwerer erkennbar als ein Heroinkonsum, bei dem hohe Geldmengen benötigt werden und der Süchtige ständig auf der Suche nach "Stoff" ist.

Bei den stoffungebundenen Süchten sind Eßsucht oder Magersucht für Eltern zwar eher erkennbar, werden ihnen aber dennoch oft nicht bewußt. Bei einer Spielsucht wiederum sind keine körperlichen Veränderungen erkennbar; auffällig ist hier der hohe Geldbedarf und der ständige Aufenthalt des Jugendlichen in Spielhallen.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind süchtig ist?

Schnelles Handeln ist angesagt, wenn typische Anzeichen nicht nur des Konsums, sondern einer Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder illegalen Drogen vorliegen. Sie können sich in körperlichen und psychischen Symptomen zeigen, die anders nicht zu erklären sind, wie zum Beispiel: permanente Schweißausbrüche, Händezittern, Unruhe und Schlaflosigkeit, körperliche Verwahrlosung, Konzentrationsstörungen.
Welche Suchtmittel der Jugendliche benutzt, können Eltern erkennen, wenn in der Umgebung des Jugendlichen bestimmte "Utensilien" auftauchen. Informationen dazu sind in der Broschüre "Suchtmittel, Behandlungsmöglichkeiten, Beratungsstellen" enthalten.

Wenn sich die Verdachtsmomente erhärten, kann grundsätzlich nur eines gelten: Kinder und Jugendliche, die von einem Suchtmittel abhängig sind, gehören in qualifizierte Hände.
Die sofortige Kontaktaufnahme mit einer Drogenberatungsstelle ist der beste und oft einzige Weg, einen Ausweg für sein Kind aus einer sehr gefährlichen Situation zu finden.
Eltern, die meinen, mit eigenen Mitteln ihrem Kind die Drogen "abgewöhnen" zu können, werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit scheitern. Suchtberatungsstellen beraten Eltern, wie und was sie zur Heilung ihres Kindes beitragen können und wie sie die schwierige Situation durchstehen können.

Die wichtigste Regel: Etwas für sich selbst tun

Bei aller Sorge um das Kind: Eltern dürfen ihre eigenen Interessen, ihre Grenzen, ihr Wohl nicht aus den Augen verlieren. Nur wenn sie auf sich selbst achten, können sie die Kraft aufbringen, dem Jugendlichen zu helfen.

Dazu gehört auch, die eigene Einstellung gegenüber dem Kind und seiner Abhängigkeit zu festigen und zu einem sicheren Verhalten zu finden. Für Schuldgefühle sollte dabei kein Platz sein: Eltern machen wie alle anderen Menschen Fehler, auch in der Beziehung zu ihren Kindern.
Sie tragen nicht die Schuld an der Sucht ihrer Kinder - aber sie können dazu beitragen, daß ihr Sohn oder ihre Tochter wieder von der Droge abläßt. Und auch dabei werden sie weiterhin Dinge "falsch" und "richtig" machen (mehr zu diesem Thema auch in der Broschüre "Suchtmittel, Behandlungsmöglichkeiten, Beratungsstellen").

Verhalten gegenüber dem drogenabhängigen Kind

- Grenzen Sie sich gegenüber dem Drogengebrauch Ihres Kindes eindeutig ab.

- Überprüfen Sie Ihren eigenen Umgang mit Suchtmitteln.
Ändern Sie etwas daran, wenn Sie Probleme damit haben, etwa mit Ihrem Alkohol- oder Tabakkonsum.

-Geben Sie finanzielle Unterstützung nur, wenn Sie sicher sind, daß sie nicht zum Drogenkauf verwendet wird.
Helfen Sie beim "Abbau" eines eventuell vorhandenen Schuldenbergs erst, wenn Ihr Kind drogenfrei ist.

- Zeigen Sie nicht "Verständnis", sondern sprechen Sie die Probleme offen an.

- Dulden Sie keine Drogen und ihren Gebrauch in Ihrem Haus.

- Unterstützen Sie Maßnahmen, die helfen könnten, von der Sucht wegzukommen.

- Wenn Sie nicht sicher sind, wie Sie sich richtig verhalten, lassen Sie sich von einer Suchtberatungsstelle beraten.

- Suchen Sie Hilfe in Eltern- und Angehörigengruppen.


Ihr Kind hat eine illegale Droge "probiert" - Reaktionsmöglichkeiten.

Zeigen Sie keine Panik.

Mit Vorwürfen ("Was tust du uns damit an?") oder Beschimpfungen ist keinem geholfen.

Dramatisieren Sie nicht die Situation.

Belegen Sie Ihr Kind nicht mit Strafen wie Hausarrest u. ä.

Spionieren Sie nicht in seinem Zimmer und seinen Sachen. Das zerstört die Vertrauensbasis.

Versuchen Sie, in ein ruhiges Gespräch zu kommen, lassen Sie Ihr Kind erzählen.

Stellen Sie kein "Verhör" an. Fragen Sie nicht als erstes, wie er oder sie in Kontakt mit Suchtmitteln gekommen ist. Fragen Sie eher, wie denn das Mittel gewirkt hat.

Rechnen Sie damit, daß Ihr Kind Ihren eigenen Konsum von Suchtmitteln - vor allem von Alkohol - ansprechen wird. Wenn Sie selbst schon mal Haschisch geraucht haben, sagen Sie es ruhig. Begründen Sie, warum Sie wieder aufgehört haben.

Immer wieder die negativen Folgen des Konsums zu betonen, hilft nicht weiter.

Schildern Sie Ihre Ängste um Ihr Kind.