Elternängste
Gerade Eltern von Jugendlichen Alter zwischen 14 und 18 Jahren - haben Angst, daß der eigene Sohn oder die eigene Tochter mit Drogen in Kontakt kommt, jemand sie dazu verführen, gar zwingen könnte.
![]()
Eine Angst, die verständlich ist. Jugendliche entwachsen und entfliehen dem Schutz und der Kontrolle des Elternhauses mehr und mehr.
Eltern müssen nun akzeptieren, daß Jugendliche Ziele und Vorstellungen entwickeln, die zunehmend von anderen - z. B. dem Freundeskreis - geprägt werden. Das ist eine Phase, die an sich schon viele Probleme für Eltern und Kinder schafft.
Zudem wird der Blick durch die Medien auf eine Szene gerichtet, die fremd und abstoßend erscheint:
auf Drogenmarkt, Drogenmafia, kleine und große Dealer (Händler), auf Drogentote, auf Beschaffungsprostitution und -kriminalität.
Allein die Tatsache, daß es Drogen gibt, ist kein Grund, sie auch auszuprobieren.
Der illegale Drogenmarkt und alle, die sich an ihm bereichern, müssen mit allen Mitteln bekämpft werden.
Aber allein die Tatsache, daß es Drogen gibt, macht nicht süchtig.
Die spektakulären, "medienwirksamen" Probleme illegaler Drogen verdecken den Blick auf Zusammenhänge, die besonders wichtig sind, wenn man Kinder und Jugendliche vor Drogen schützen will.
Sucht wird oft nur mit dem Gebrauch illegaler Drogen wie Haschisch (Cannabis), Heroin oder Kokain in Verbindung gebracht. Andere Suchtmittel wie Alkohol, Medikamente, Schnüffelstoffe oder Tabak können einen Menschen ebenfalls schwer schädigen (außerdem geht dem ersten Konsum illegaler Drogen in der Regel ein Gebrauch von Alltagsdrogen voraus). Ebenso sollte z. B. die Tatsache, daß 1991 40.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmißbrauch und 90.000 an den Folgen des Rauchens gestorben sind, nachdenklich stimmen. Die Gefahr, daß ein Kind einmal Alkoholiker wird, ist um vieles höher, als daß es von illegalen Drogen abhängig wird.
Entwicklung des Drogenkonsums bei Jugendlichen
Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist eindeutig:
Jugendliche sehen Suchtmittel kritischer. Die Zahl derer, die regelmäßig mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, ist gesunken. Die Zahl der jungen Leute, die noch nie geraucht haben, liegt bei fast einem Drittel. Der Anteil derjenigen, die Erfahrungen mit Rauschgift haben, ist konstant geblieben; heute sagen schon über 60 Prozent der Jugendlichen, daß sie auf keinen Fall zu illegalen Drogen greifen würden.
Allerdings: Die kleiner werdende Gruppe der Drogenkonsumenten nimmt Drogen heute intensiver und wahlloser.
Grundsätzlich gilt, daß mit jedem Drogenkonsum unkalkulierbare gesundheitliche-Risiken verbunden sind. Die Gefahr, daß Jugendliche allein durch "mal probieren" süchtig werden, ist gering. Jugendliche, die aus Neugier einmal Haschisch rauchen,aber sonst keinen Grund haben, sich Erlebnisse über Drogen zu verschaffen oder Probleme zu verdrängen, geben dieses Verhalten oft schon nach kurzer Zeit wieder auf. Probier- und Neugierverhalten dürfen deshalb nicht als sichere Vorzeichen einer entstehenden Drogenabhängigkeit verstanden werden.
Zur Entstehung von Sucht gehören Angebot und Nachfrage
Wenn ein Jugendlicher Drogen konsumiert und davon abhängig wird, dann ist das Angebot eines Dealers nur selten der Auslöser gewesen, sondern nur das letzte Glied in einer meist langen Kette von Ursachen.
Jugendliche greifen nicht einfach so zu Drogen. Sie haben ihre Gründe.
Und erst, wenn eine Nachfrage entsteht, kann das Angebot gefährlich werden.
Ursachen für Suchtmittelmißbrauch haben eine Vorgeschichte, die meistens schon in der Kindheit beginnt.
Unzureichendes Selbstbewußtsein, mangelnde Konfliktfähigkeit, Zweifel am Sinn der Dinge, das Gefühl, es nicht zu schaffen, können genauso Gründe für Sucht sein wie Probleme im familiären und sozialen Umfeld oder suchtfördernde Verhältnisse in der Gesellschaft.
Warum greifen Jugendliche zu Suchtmitteln?
Jugendliche haben eine Vielzahl von Entwicklungsaufgaben zu erledigen, sollen in die Welt der Erwachsenen hineinwachsen, sich vom Elternhaus loslösen, psychische, soziale und materielle Unabhängigkeit erlangen, eine eigene Persönlichkeit und eine reife, befriedigende Sexualität entwickeln. Eine Zeit der vielfachen und vielfältigen Belastungen, in der Jugendliche oft an der eigenen Kraft zweifeln. Es liegt nahe, daß Jugendliche, die sich dem nicht gewachsen fühlen, nach Auswegen oder Entlastungen suchen.
Je nach ihren Einstellungen, ihrer Persönlichkeit, ihren Fähigkeiten, mit Belastungen umzugehen, sieht bei Jugendlichen auch die Art der Entlastung aus, die sie sich suchen:
Den einen gelingt es, notwendige Enttäuschungen auszuhalten, Rückschläge hinzunehmen. Sie versuchen es noch mal, bemühen sich um andere, neue Wege, wenn sie gescheitert sind, finden eigene Möglichkeiten, mit Konflikten und Problemen umzugehen. Das Angebot, Suchtmittel zu nehmen, ist für sie nicht verlockend.
Anderen scheint dieser Weg verstellt. Sie suchen Entspannung und Entlastung durch Rauschmittel und laufen oft in eine Sackgasse, in der die Umkehr immer schwerer wird.
Jugendliche, die Rauschmittel konsumiert haben, sehen weniger die "tieferliegende" Funktion als Problemloser, sondern vielmehr die unmittelbar spürbaren "positiven" Effekte. Fragt man sie nach ihren Gründen für den Rauschmittelkonsum, so antworten sie zum Beispiel, daß sie "... die Stimmung heben wollen, man sich so gut entspannt, man dabei leichter den Alltag vergessen kann, sich dabei Glücksgefühle einstellen, man die eigenen Hemmungen überwindet, man leichter zueinanderkommt oder einfach weil die älteren Leute dagegen sind ...".
![]()
In den Antworten wird auch deutlich, was Jugendliche in ihrem Leben vermissen und sich durch Rauschmittel verschaffen wollen. Das durchaus richtige Argument von Eltern, mit Alkohol, Nikotin, Medikamenten oder Drogen könne man keine Probleme lösen, geht also gerade an gefährdeten Jugendlichen vorbei. Zunächst finden sie eben die vermißten Erlebnisse und Bedürfnisse in den Rauschmitteln. Viel überzeugender ist es also für Jugendliche, die Möglichkeit zu haben, diese Bedürfnisse ohne Rauschmittel zu verwirklichen.
Eltern können ihnen dabei helfen.