... und raus bist du!

Wer im "Mensch ärgere dich nicht" rausgeworfen wird, hat eine Chance, wieder ins Spiel zu kommen. Mit einer 6 ist er wieder drin. Im "Spiel des Lebens" werden viele Menschen durch die unterschiedlichsten Ereignisse mitunter "rausgeworfen".
Sucht kann ein solches Ereignis sein.
Aber auch süchtige Menschen haben eine Chance, wieder "reinzukommen".
Durch Hilfe und Zuwendung anderer und durch die eigene Entscheidung, sich vom Suchtmittel zu lösen, können sie es schaffen.

Was wäre, wenn mein eigenes Kind abhängig wäre?

Dann fällt es besonders schwer, ruhig zu bleiben und zu überlegen, was nun zu tun ist. Sucht ist aber keine "Endstation". Ein harter, langer Weg liegt vor den Beteiligten, aber sie sind nicht allein:
Viele Menschen bieten Angehörigen, Eltern und den Betroffenen selbst Rat und Hilfe an.

Auch wenn es schwerfällt, bei anderen, fremden Menschen Rat und Unterstützung zu suchen:

Je früher Eltern den Kontakt zu einer Elterninitiative, Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe aufnehmen, desto größer ist die Aussicht, daß der Suchtkreislauf unterbrochen werden kann. In jedem Fall ist es hilfreich, sich zunächst gründlich zu informieren. Wer informiert ist, wird als Gesprächspartner von den eigenen Kindern eher ernst genommen.
Gerade Jugendliche wissen oft mehr über Sucht und Drogen als Eltern glauben.

Wirkungsweise legaler und illegaler Drogen.

Warum einige Menschen zu diesem, andere zu jenem Suchtmittel greifen, ist letztlich noch nicht völlig geklärt.
Wesentlich scheint allerdings die durch die Droge erhoffte Stimmungsänderung zu sein, die mit der Einnahme hervorgerufen wird.

Manche Drogen (z. B. Opiate) erzeugen Euphorie und Glücksgefühle.
Andere beruhigen, dämpfen die Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit (Z.B.Alkohol, Barbiturate, Tranquilizer).

Wiederum andere aktivieren, putschen auf, steigern die Erregung (z. B. Amphetamine, Kokain).

Eine weitere Gruppe verändert das Denken und die Sinneswahrnehmung (z. B. LSD, Haschisch).

Die Drogenwirkung hängt aber nicht allein vom jeweiligen Stoff ab.
Die Dauer und Art der Einnahme, die Dosis, aber auch aktuelle Stimmungen und Gefühlslagen nehmen Einfluß auf die Jeweilige Wirkung.

Weiterhin gilt, daß nicht alle Suchtmittel körperliche und psychische Abhängigkeit gleichermaßen erzeugen. Eine Droge, die "nur" psychisch abhängig macht (wie z. B. Kokain), ist deshalb nicht harmlos. Gerade die Behandlung der psychischen Abhängigkeit ist wesentlich schwieriger und erfordert viel Zeit. Die körperliche Abhängigkeit ist in den meisten Fällen schon in wenigen Wochen nach Behandlungsbeginn überwunden.

Körperliche und psychische Abhängigkeit

Körperliche Abhängigkeit entsteht durch die Gewöhnung des Organismus an das Suchtmittel. Mit der Zeit "verträgt" der Körper immer mehr des jeweiligen Suchtmittels. Um die gleiche Wirkung zu erzielen, muß der Abhängige die Dosis dann steigern.
Der Körper kann durch fortgesetzten Suchtmittelmißbrauch immer höhere, sogar unter "normalen" Umständen tödlich wirkende Mengen verarbeiten (sogenannte Toleranzentwicklung).

Beim Absetzen des Suchtmittels treten körperliche Entzugserscheinungen auf, die sich z. B. in Schmerzzuständen am ganzen Körper, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Schwindelanfällen äußern; oder es kommt zu sogenannten vegetativen Erscheinungen wie Zittern, Frieren, Schweißausbrüchen.
Lebensbedrohliche Zustände können im Einzelfall auftreten - besonders dann, wenn der Süchtige gleich von mehreren Stoffen abhängig ist (sogenannte Polytoxikomanie). Ein erfolgreicher Entzug ist deshalb fast nur durch einen stationären Klinikaufenthalt möglich.

Nach der "Entgiftung" baut sich die Gewöhnung des Körpers an die hohe Zufuhr des Suchtmittels wieder ab.
Bei einem Rückfall besteht das Risiko einer tödlichen Uberdosierung, da die Verträglichkeit gegenüber dem Rauschgift erheblich herabgesetzt ist.

Als psychische Abhängigkeit von Suchtmitteln (z. B. Alkohol) wird das zwanghafteverlangen beschrieben, das Mittel ständig und wiederholt einzunehmen. Diese Abhängigkeit ist das Ergebnis eines langfristigen "Lernprozesses", an dessen Ende der Abhängige den Stoff so in sein Leben eingebaut hat, daß er ihn wie eine "Lebenskrücke" braucht.

Er dient dazu, das seelische Gleichgewicht zu halten, Unlustgefühle, Schmerzen und emotionale Belastung zu vermeiden bzw. sich über den Gebrauch der Droge Wohlbefinden zu verschaffen. Andere Verhaltensweisen, die normalerweise dazu beitragen können, Belastungen zu bewältigen oder Wohlbefinden zu erzeugen, werden erst gar nicht entwickelt. Deshalb sind Vorbeugungsmaßnahmen, die dazu beitragen, daß Kinder diese Fähigkeiten entwickeln, besonders wichtig.

Nichtstoffgebundene Süchte

Gerade auch nichtstoffgebundene Süchte sind solche "Krücken". Hier greift keine "Droge" in den Stoffwechsel ein, sondern es liegen psychische Abhängigkeiten vor, die sich in einer Reihe süchtiger Verhaltensstörungen ausdrücken. Sie entwickeln sich zum Teil aus alltäglichen und harmlosen Verhaltensweisen. Die sozialen, psychischen und ökonomischen Folgen können dennoch gravierend sein.

"Eßsüchtige" lassen ihr Eßverhalten nicht mehr durch das normale Gefühl von Hunger und Sättigung steuern.
Sie müssen essen, um sich zu beruhigen oder zu trösten, und können sich dadurch körperlich, z. B. durch extremes Übergewicht, schädigen.

"Magersüchtige" verweigern die Nahrung und verfolgen ihr Ziel, immer schlanker zu werden, mit unerbittlicher Härte gegen sich - bis zu lebensbedrohlichem Untergewicht. Jeder zweite Magersüchtige kennt auch Anfälle von Eß- und Brechsucht. Im Zusammenhang mit solchen Eßstörungen treten auch stoffgebundene Suchtformen auf:
z. B. die Abhängigkeit von Appetitzüglern oder Abführmitteln. Gerade Abführmittel führen auch zu einer körperlichen Abhängigkeit. Nach einer gewissen Dauer der Einnahme stellt der Körper die normale Darmtätigkeit ein. Ein mitunter langwieriger Entwöhnungsprozeß ist notwendig.

"Spielsüchtige" nehmen jede Gelegenheit zum Spielen in Spielbanken und Spielhallen wahr. Nicht selten ruinieren sie sich dadurch finanziell.
Der Zwang, Geld zum Spielen zu beschaffen, bedingt die Gefahr krimineller Handlungen.

Auch andere Verhaltensweisen wie arbeiten, kaufen, putzen, fernsehen und Musik hören können zum Selbstzweck werden und sich zur "Sucht" entwickeln.